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Die faszinierende Geschichte unserer Tanzlinde von 1707 bis heute

  • 1707 -Pflanzjahr nach Topographie von Pfarrer Heim


  •  1751 -Errichtung des ersten großen Holzgerüstes


  • 1767 -Neue Stiege an der Linde, "18 Fuder Steine"


  • 1790 -Herzog Georg I. von Sa. M. tanzte auf der Linde


  • 1802 -Erstmalig nach dem Plantanz auch Tanz im Saal


  • 1810 -Einsturz des Gebälkes inmitten des Kirmestanzes


  • 1811 -Völlige Überholung des Gebälkes auf Anweisung der Gerichte


  • 1819 -Erneuerung von Grund auf


  • 1854 -Letztmalig ein Eimer Bier an die  Planburschen gereicht


  •  1874 -Letztmalig auf der Linde getanzt worden


  • 1898 -Abtragung der Steintreppe an der Linde


  • 1920 -Erneuerung der Tragbalken an der Linde


  •  1952 -Wiederherstellung des Lindenbaumes, Wiedereinführung des Plantanzes auf dem ersten Ästekranz


  • 1956 -Tausendjahrfeier der Gemeinde Effelder mit Trachtentanz auf der Linde


  • 1985 -Erneuerung des gesamten Gebälkes


  • 2001 -wiederum Erneuerung des gesamten Holzgerüstes






 

Die Geschichte unserer Kirchweih

Die Entwicklung im 15. und 16. Jahrhundert


  •  damals waren keine Fahrgeschäfte da, sondern es war eher ein mittelalterliche Markt mit Musik und Tanz (getanzt wurde dabei der Reigen)
  •  Festgelegte Schritte oder Tanzmuster gab es dabei nicht
  • für die Unterhaltung der Leute kamen Wanderkomödianten, Sänger und Schauspieler
  • leider kann man durch lückenhafte Informationen nicht alle Details beschreiben und leider haben wir darüber nicht genügend Infos um euch mehr zu beschreiben


17. und 18. Jahrhundert


  • in dieser Zeit gab es diverse einschneidende Ereignisse in der Geschichte des Landes welche Einfluss auf die Traditionen auf unsere Kirchweih hatten.


Der 30-jährige Krieg 1618-1648

  • Die Gegend rund um Effelder war zwar nicht direkt vom Kriegsgeschehen betroffen
  •  allerdings durchzogen viele Truppen das Gebiet und hinterließen viel Chaos darunter viele Brandstiftungen, Plünderungen, Hungersnöte, Vergewaltigungen und Massenmorde.
  • Die Bevölkerungsdichte sank und zu dieser Zeit wollte man sich nicht zur einer Kirchweih treffen bzw. eine feiern. 


  • Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verbesserte sich die Situation.
  • Neue gewerbliche Anlagen wurden von Fremden erbaut.
  •  Diese brachten neue Waren und handwerkliches Geschick mit so kam es zu Vermischungen von Bräuchen, da es den Menschen wieder besser ging, fanden auch wieder ausgiebigere Kirchweihen statt.






  • bescheidener Wohlstand forderte mehr Feierlichkeiten und Feste
  • viele Erlassungen und Verordnungen erschweren die Planungen und Durchführung von Festen
  • Einführung eines "Kirchweihschutzes" er soll die Kirchweihen kontrollieren und steuern 
  • dadurch wurden die alten Werte und Normen der Kirchweih wiedereingeführt
  • bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Kirchweih eine einfache Feierlichkeit aber dennoch der Höhepunkt des Jahres
  • zu Beginn des 18.Jahrhunderts wurde durch die "Herrschaft" Maße und Gewichte bei den Ständen der Kirchweih kontrolliert
  • Die Jahrmärkte entwickelten sich , die Kirchweih wurde zu einer guten Gelegenheit Geld zu verdienen.
  • Gaukler Spielleute und Kaufleute von nah und fern fanden sich ein.
  • Die Damen sorgten bei einer Kirchweih für die Verpflegung. So wurden auch die Metzger, Bäcker, Wirte in der Ortschaft gefördert.
  • Um sich auf den Jahrmärkten mehr Leisten zu können schnitten sich die jungen Damen die Haare ab und verkauften diese, dadurch trugen sie Tücher auf dem Kopf
  • der Mann war für die Außendarstellung für Huas und Hof zuständig
  • 1707 war die Pflanzung unserer Tanzlinde
  • man zog diese so auf, dass man auf den Ästen, Böden konstruieren konnte worauf dann nun getanzt wird
  • ein weiteres Merkmal waren die Ortsübliche Trachten. Zu Beginn des 17 Jahrhunderts gab es diverse Vorschriften um zu verhindern, dass "einfache" Menschen einen fremden Stand ermogeln.

 Auszug aus der "Topographie des Pfarrspiels Effelder" (1808-1814) Seite 170-172 


  • Unsere Kirche wurde nach dem heiligen St. Kilian geweiht.
  • So wird die hiesige Kirchweihe allemal am Sonntag nach Kilian bzw. nach dem 8. Juli gefeiert.
  • An diesem Sonntag wird eine Kirchweihpredigt gehalten.
  • Seit dem Jahre 1802 wird an diesem Sonntag auch abends getanzt und Musik gespielt.
  • Das eigentliche Fest ging allerdings erst am folgenden Montagmittag an, wo auf der hiesigen Linde ein Plan aufgeführt wird.
  • Es kommen mehrere gebürtige junge Burschen (laut Topographie "Purschen"), die aber noch Junggesellen sein müssen, zusammen, wählen sich ein Mädchen, die ebenfalls aus dem hiesigen Dorfe gebürtig und Jungfern sein müssen und zeigen bei den Schultheißen an, dass sie dieses Jahr den Plan aufführen wollen. 
  • Die Purschen heißen dann "Platzpurschen", die Mädchen "Platzmädchen" oder "Platzjungfern"
  • Zu diesem Plan wurde von der Gemeinde ein Eimer Bier geschenkt (bis 1854) und die Linde ausgebessert. 
  • Die Platzpurschen, 4-5 an der Zahl, bezahlen die Musikanten und liefern alles Bier, was während des Kirchweihtanzes getrunken wird. Sie genießen allerdings auch folgende Vorteile:
  1.  den Eimer mit Bier von der Gemeinde
  2.  das Geld, das von den Tänzern (beim Reinziehen) den Spielleuten gegeben wird
  3.  den Gewinn an Zuckerdocken, die an Spieltischen ausgewürfelt werden 
  4. den Gewinn vom Auskegeln einiger Preise wie z.B. ein seidenes Halstuch, Damast zu einem Busenlappen etc.

 

  • Am bestimmten Tage ziehen sich die Platzjungfern, wie Bräute Kränze auf den Kopf. Die Platzpurschen ziehen ihre besten "Kleider" an und werden von ihren Platzjungfern mit einem seidenen Tuch "markiert". 
  • Als Präsent erhalten die Mädchen z.B. einen feinen Mieder und sie werden von ihren Platzpurschen während der Kirmes mit Kost und Erfrischungen versorgt.
  • So geputzt und abgeholt von Musikanten versammeln sie sich nach 11 Uhr im Hause des Schultheißen, der sie um 12 Uhr unter Vortritt der Musikanten mit blasenden Instrumenten, paarweise und in Begleitung eines Aufwärters mit einer Stütze Bier nach der Linde führt und drei mal um die Linde herumführt und den gesamten Zug an der Treppe halten lässt.
  • Folglich liest er das Rescript der hiesigen Gerichte, das Erlaubnis und die polizeilichen Vorschriften zur Planaufführung vor und ermahnt, sich, auch wegen der Nähe des Pfarrhauses, auf dem Tanzboden friedlich und sittlich zu betragen und sich mit der Abendglocke von demselben zu entfernen und sich ins Wirtshaus zu begeben.
  • Dann trinkt der Schultheiß unter dem touche der Instrumente mehrere Gesundheiten, danach führt er die Platzpaare auf die Linde und überlässt sie zum Tanzen
  • 1810 brach am Sonntag abends bald nach dem Anfang des Tanzes die Hälfte des Bodens durch und ungefähr 60 Personen von allerlei Alter stürzten mit den Balken und Brettern auf die Erde herunter.
  • Zum Glück verlor niemand das Leben, nur 7 Personen schädigten sich erheblich. Die anderen kamen mit blauen Malen davon. 
  • Der Tanz ging daher im Wirtshaus fort. Die kaputten Balken wurden am nächsten Morgen durch neue ersetzt und so wurde der Plan zur bestimmten Zeit auf der nämlichen Linde aufgeführt.
  • Um solch ein Unglück zukünftig zu entgehen, wurde das Gebälk im Jahre 1811 auf Verordnung des hiesigen Gerichtshalters Hzgl. Hofrt Otto, vor der Kirchweihe auf dauerhafte Weise repariert.
  • Der Tanz auf der Linde dauert gemeindlich 3 Tage. 
  • Den folgenden Sonntag kamen die Platzpaare im Wirtshaus zusammen, wobei ebenfalls getanzt wurde.
  • Die Ausgaben werden durch die Einnahmen getilgt, wenn Geld fehlte, mussten die Platzpurschen das Geld begleichen. Die Platzjungfern bezahlten nichts, erhielten allerdings auch kein Geld. 
  • Bemerkenswert ist, dass 1790 der Herzog Georg bei einer Reise nach Sonneberg den Kirchweihtanz besuchte.


ab 1914

  • viele Männer starben auch aus Effelder und Umgebung (im 1. Weltkrieg) in diesen Zeiten hatten die Menschen andere Sorgen als sich um die Kirchweihe zu kümmern
  • nur nach und nach erholte sich die Ortschaft von diesem Krieg, junge Menschen stellten um 1920-1940 wieder eine Kirchweih auf die Beine
  • bis dahin existierte der Marktplatz noch nicht. Die Fahrgeschäfte und Händlerstände standen entlang der Hauptstraße (heute B89)
  • 1934/1935 wurde auf dem heutigen Gelände des Maktplatzes ein Brunnen erbaut, unser Gänsebrunnen
  • erst dadurch wurde der Platz zum Zentralen Ort und letztenendes zum Marktplatz
  • Planmädchen und Burschen bekamen jeweils 2 Büschla

Interview einer Zeitzeugin:

"Wir haben auf der Linde getanzt. Als wir abends fertig waren, gingen wir in die Wirtschaft. Dort haben wir zu Essen und zu trinken bekommen. Am nächsten Tag haben uns die Planburschen an jedem Haus abgeholt. wenn die Kirchweih aus war, haben wir in Welchendorf (Seltendorf) Nachkirchweih gefeiert. Dies war nur für die Palngeschellschaft. Das reinziehen auf der Linde hat uns Geld gebracht welches wir dann für Essen und Trinken verwendeten. Zum Schluss wurde das Tüchla rausgetanzt. Und ganz am Ende gab es noch die Beerdigung der Kirchweih. Also schön war es ja."

War es für Sie etwas besonderes an der Kirchweih mitzumachen?

"Es war eine Ehre für uns junge Leute, dass man da mitgemacht hat. Es hat nicht jeder gekonnt und nicht jeder mitgemacht, nur wer eben etwas klsutig und aufgeweckt war. Musik und Kirmes war mein Leben, dafür bin ich durch das Feuer geangen."

In welchem Jahr haben Sie Kirchweih mitgemacht?
"Ich habe 1937 mitgemacht."

Gibt es vom Antrinken etwas besonderes zu Berichten?

"Da habe ich nicht mitgemacht, beim Antrinken haben sich die Burschen vor der Kirchweih getroffen, dies war aber Allgemein nur für die Männer."

Ab 1939

  • der Anfang des 2. Weltkrieges hatte noch keine Auswirkungen auf unser Kirchweihfest
  • Aber für die Jahre 1941-1947 gibt es keine schriftlichen Überlieferungen.
  • Augenberichte sagen aber, dass es zwar keine Plangesellschaft gab aber die Kirchweih als stilles Fest gefeiert wurde
  • Zeitungsartikel zeigen uns, dass ab dem Jahr 1948 wieder regelmäßige Kirchweihen stattgefunden haben.
  • Nach dem 2. Weltkrieg lag Effelder in der sowjetischen Besatzungszone (später dann DDR) durch einen sowjetischen Kommandeur wurde die Kirchweihtradition wieder belebt.

Zeitzeugen Interview:

Könnt ihr euch noch an die Schausteller Erinnern?:

"Meist war es ein Glücksrad, Kettenflieger und die Härtels da. Manchmal gab es auch noch einen Wanderzirkus und einen Bärenführer. Eine Karusellfahrt hat nur einen Groschen gekostet."

Was hat sich im Vergleich zu früher an der Kirchweih verändert?

" Die Ständela waren am zweiten Feiertag, also am Montag. das Kirchspiel feierte zusammen Kirchweih. Es feierten Seltendorf, Schichtshöhn und Effelder zusammen. Die Brauerei Besitzer  wollten reingezogen werden."

War während des Krieges auch Kirchweih? 

"Daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern, nur als 1945 die Russen eingezogen waren, sagte der Kommandant von denen- Ihr macht jetzt wieder einen Plantanz."

weiter zu dem Interview auf Anfrage.


  • nicht nur die Ideologie auch die Namen von verschiedenen Festlichkeiten änderten sich. So wurde aus der Kirchweih ein Volksfest, später dann um 1961 die Dorffestspiele.
  • In den Köpfen der Menschen hat sich der Begriff "Kirchweih" aber immer gehalten
  • Der Parteivostand  (SED) versuchte die Bevölkerung von den Kirchen zu kappen.
  • So mit musste auch die Plangesellschaft viele Auflagen und Bestimmungen erfüllen. So verzichtete man auf die Eröffnung der "Dorffestspiele" auf der Linde
  • Auch der Ablauf war etwas anders. Durch die Ablehnung des Regimes der Kirche wurde der Sonntagskirchgang untersagt. Die Tanzveranstaltung wurde zeitlich begrenzt
  • die Kirchweih wurde auch am Montag noch gefeiert
  • Im Jahr 1985 wurden durch die örtlichen Handwerkern und Ortsbürgern das Gebälk der Linde erneuert
  • Die Ständela fanden auch nicht an einem festgelegten Tag statt. So spielten die Musikanten 1985 den Bewohnern am Sonntag auf
  • 1988 wurde am Samstag musiziert und 1989 gab es sogar erst am Montag die Ständchen
  • Die friedliche Revolution 1989 in der DDR brachte verschiedene Veränderungen mit. Durch den wegfall der Staatssicherheit konnten sich die Menschen auch wieder mehr entfalten und so wurde in Effelder auch wieder offiziell "Kirchweih" gefeiert und am Sonntag gab es wieder den gemeinsamen Kirchgang


  • Seitdem feiern wir wie heute unsere Kirchweih oder "Kerwa"


Wir als Verein sind stolz darauf, dass sich die Kirchweih in Effelder über Jahrhunderte gehalten hat und wahnsinnig viele Krisen überstanden hat. 
Für uns ist die Weiterführung von Tradition und Gemeinschaft das aller wichtigste.

Häufig gestellte Fragen zur Kirchweih

Wie lange dauert die Kirchweihtradition in Effelder bereits an? 
Unsere Kirchweih wird seit über 300 Jahren gefeiert und hat viele historische Veränderungen erlebt.

Welche Rolle spielen die Platzpurschen und Platzjungfern? 
Sie sind zentrale Figuren, die den Plan aufführen, die Musik bezahlen und die Festlichkeiten mitgestalten.